Sonntag, 30. Oktober 2011

(H)echt fett!

Wer genau hinschaut erkennt sogar hier ein Hechtlein.
Es war an einem der letzten Tage im September 2011, als ich mir im Job wieder einen Tag unter der Woche freischaufeln konnte. Natürlich nutzte ich diesen Tag sinnvoll, und stattete dem Gewässer, welches mir schon bei meinem ersten Besuch reiche Hecht-Bescherung gebracht hatte (nachzulesen hier), wieder einen Besuch ab.

Aufgrund des fortgeschrittenen Datums leistete ich mir ein Miet-Belly Boat der gehobenen Klasse, damit ich Meister Esox auch in tieferen Gewässerlagen sicher besuchen konnte. Erste Erkenntnis dabei: obwohl ein Belly Boat mit Luft gefüllt ist, wiegt es doch etwas mehr als diese - es war eine relative Plackerei das gesamte Tackle die gut 800 Meter vom Auto zum Wasser zu bringen. Als dies geschafft war, stand der Angelei nichts mehr im Weg, im Uferbereich konnte ich einige kapitale Aitel ausmachen, und auch die eine oder andere dicke Schleie zog in in Sichtweite unbeeindruckt ihre Kreise. 

Aber ich war ja wegen den Räubern hier, natürlich hatte ich auch die 5er Rute im Kofferraum, und wollte auch noch mein Glück auf die Friedfisch-Fraktion versuchen, aber eben erst später. Jetzt war erst einmal ausgiebige Räuber-Jagd angesagt.

Nachdem das Belly Boat geentert war ging es erst eine Runde quer über den See um mich von der Wasserseite zu orientieren. Immer wieder blitzten dabei im glasklaren Wasser Hechtköpfe regungslos aus dem Kraut. Die ersten Würfe waren ob dem knappen Abstand zwischen mir (=Rute) und dem Wasser etwas gewöhnungsbedürftig, bald stellte sich allerdings so etwas wie Routine ein. Dass sich keiner der gesichteten Hechte während der ersten eineinhalb Stunden erbarmte, ist fast selbstverständlich. Also hieß es weiterwassertreten. 

Am gegenüberliegenden Ufer samt dem kleinen Einfluss angekommen machte ich dann aber doch einen etwas kapitaleren Kandidaten im seichten Bereich aus. Im ca. 70 cm tiefen Wasser sonnte sich die Hechtdame in der warmen Vormittagssonne. Ich bezog Wurfposition etwa 10 Meter hinter dem Fisch und versuchte mein Glück mit einem gelb-rotem Tandem-Streamer. Der erste Wurf wurde - wie auch Nr. 2 und 3 - majestätisch negiert, nicht allerdings Wurf Nr. 4. Ein leichtes Ändern der Position in Richtung Streamer deutete auf gutes hin, und ja, kurze Zeit später drillte ich bereits.

Kurz vor der Landung.
Der Hecht ließ sich relativ sanft einholen, explodierte allerdings wenige Meter vor mir und nahm nochmals mächtig Schnur. Insgesamt beschäftigte mich der Fisch gut und gerne zehn Minuten inklusive Belly Boat-Strandung, damit die Landung des Fisches sicher und schnell über die Bühne gehen konnte. Je näher der Fisch kam, desto größer wurden meine Augen, bzw. eigentlich wurde der Fisch immer größer. Montags, halb 11 an meinem Hechtwasser und nein, kein Knoppers, sondern mein bislang größter Fliegen-Hecht. Als der Boga-Grip zuschnappte, kam das Maßband zum Einsatz und zeigte ... tatsächlich 85 cm!
Selbstauslöser, Belly Boat, zappelnder Hecht = leider nicht die besten Bilder.

Ja, ich war glücklich (und bin es eigentlich immer noch). Obwohl 85 cm für so manche Hecht-Spezis keine Rekordlänge sein mag, es ist eben ein ganz eigenes Gefühl einen Hecht auf Sicht mit dem Streamer anzuwerfen und dann auch noch in den Händen zu halten. 

Da ich von meiner Frau schon bei einem mitgebrachten 70er Hecht über Sinn und Unsinn von "so viel Fisch" für einen "so kleinen Ofen" interviewt worden war, kam eine Entnahme gar nicht in die engere Auswahl - der wunderschöne Esox wurde in sein nasses Reich zurückgesetzt.
Kurz nach dem Date mit mir.

Anschaun ja, fangen sicher nicht!
Doch der Tag war ja noch jung, insofern ging die Hechtpirsch selbstverständlich weiter. Kurz vor Mittag konnte noch ein 50er Krokodil gehakt werden, der Jüngling wurde gleich vom Belly Boat aus im Wasser befreit. 

Wie schon bei meinem ersten Besuch setzte ab der Mittagszeit die große Räuberflaute ein. Zwar ließ sich hier und da noch ein Esox ausmachen, allerdings ohne jegliches Interesse für meine Angebote zu zeigen, egal welche Farbkombi ich auch aus der Box kramte (selbst meine silber-pinken Allrounder ließen mich im Stich).
Wer genau hinschaut erkennt auch hier ein Hechtlein.

Gut, nach so einem Vormittag auch kein Beinbruch. Schön langsam kam das Gefühl in meinen unteren Extremitäten aber einem ebensolchen ähnlich. Ja, Belly Boat-Fahren ist anstrengend. Vor allem wenn man es nicht gewohnt ist. Da hilft es auch nichts, dass ich eigentlich doch ein recht regelmäßiger Läufer und Radfahrer bin. Auffrischender Wind hilft in solchen Situationen auch nicht viel musste ich bemerken, besonders wenn das Heimatufer in Richtung Gegenwind liegt. So verbrachte ich noch ein gutes Stündchen mit dem liquiden Heimweg und kam fix und foxi am Ufer an. 

Da der Wind immer heftiger wurde, verlief mein Versuch auf Aitel, Schleie & Co. kurz und schmerz- sowie ergebnislos. Dass mir nach so einem Vormittag allerdings nichts mehr die Laune verderben konnte ist wahrscheinlich verständlich - ich trat glücklich grinsend den Heimweg an. Eventuell geht sich heuer sogar noch einmal ein vor-winterlicher Einsatz an dem Wasser aus, ansonsten kommt ja auch das nächste Frühjahr bestimmt... 

tl, 
gue

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