Sonntag, 6. November 2011

Saisonabschluss an der Steyr (OÖ) - mit Rätsel

Sensationelle Stimmung an sensationellem Wasser.
Ich weiß ja nicht wie es euch dabei geht, aber der Saisonabschluß hat für mich schon etwas wehmütiges auch. Immerhin geht sie jetzt los, die fischfreie Zeit. Keine Roll-, Parachute- oder auch Schlangenwürfe mehr. Kein irrgeleitete-Fliegen-aus-dem-Baum/Strauch/Busch-klauben. Kein Singen und Pfeifen in völliger Einsamkeit, nur mit sich und dem Wasser (ja, das mach ich). Und vor allem für eine längere Zeit kein gedankliches "Fish on" rufen in/an unglaublich beeindruckend schönen Gewässern (gedanklich deshalb, weil ich ja meistens alleine unterwegs bin. Immerhin geht es (in meinem Fall) um 125 Tage. Das sind 0.342466 Jahre. Oder auch 3.000 Stunden. Beeindruckende 180.000 Minuten. Unvorstellbare 10.800.000 Sekunden. Selbst Jules Verne wäre in dieser Zeit 1,6 Mal um die Welt gereist. Man bemerkt bereits die winterliche Langeweile, kombiniert mit träger Internet-Recherche. Jaja, da kann man(n) schon sentimental werden.

Wehmut gepaart mit unglaublichem Wasser = nicht mehr ganz so schlimm ;-). Und nein, das ist kein Finger-Geheimzeichen meinerseits, sondern ich beim Fliege-Anbinden.
Muss er aber auch nicht. Viel besser ist es doch sich den letzten Flugangel-Tag der Saison etwas zu gönnen. Ein tolles Wasserl zum Beispiel.


In meinem Fall war dies auf die Einladung meines Fliegenfisch-Mentors (der mich auf mich dem Flifi-Virus infizierte) Anfang November die Steyr bei Molln in Oberösterreich. In diesem Fall verzichtete ich auch gerne auf die Fliegenfischertage an der Oberen Salzach in Salzburg.


Bereits am Vorabend angereist, wurde ebendieser natürlich für die Besprechung von vergangenen Angel-Erlebnissen und der Planung des kommenden Tages genutzt. Fliegenmuster wurden durchgesprochen. Als Puristen und vor allem in Anbetracht der kommenden Winterpause waren wir uns beide rasch einig, dass wir zu 99 % auf Trockenfliege setzen wollten, auch wenn das extrem klare Wasser und die vergangene Fischsaison die Bachforellen, Äschen und Regebogenforellen extrem scheu gemacht hatte, und somit sicherlich kein Fehler ohne Konsequenzen bleiben würde.

Gegen 8.00 wurde ich beim Gasthaus abgeholt, dichter Nebel lag über den Wäldern, die Steyr-Schlucht schien wie von der Außenwelt isoliert. "Das wird schon. Gegen 11 reisst es auf, und dann haben wir auch guten Schlupf", sagte mein Freund und fügte hinzu "und bis dahin müssen wir die Fische eben zum Biss reizen".

Und das taten wir. Mit größeren Muster als normal für diese Jahreszeit. Ein bisschen Zupfen erweckte die Trockenfliegen zudem zum Leben und es funktionierte. Vereinzelt stiegen Äschen und liebkosten in gewohnt zarter Manier die Wasseroberfläche. Im tieferen Kehrwasser konnten wir große Regenbogenforellen beim Nymphen beobachten.

Auch wir konnten einige Bissverzuche verzeichnen, versemmelten diese jedoch in beeindruckender Konsequenz. Zu früh, zu spät, zu unbemerkt war das Motto der ersten beiden Stunden im eiskalten (ca. 8 Grad) Wasser.

Fish on!
Nach einem Stellungswechsel konnten wir deutlich mehr Steigringe sichten, obwohl der Nebel sich von der Prognose meines Freundes unbeeindruckt zeigte und dies auch im weiteren Verlauf des Tages tat.

Trotz der verstärkten Oberflächenaktivität blieb unsere Strategie mit "zu früh, zu spät, zu unbemerkt" aktiv und wir verbrachten eine weitere Stunde fischlos. Aber dann. Aber dann kam es nach mehreren gehakten aber wieder verlorenen Fischen endlich zum (in diesem Fall lauten) "Fish on!" meinerseits und wir waren entschneidert. Eine schöne End-Dreissiger Bachforelle war eingestiegen und bescherte mir einen tollen Drill samt seligem Grinsen in Gesicht. Die Färbung des Fisches war aufgrund der bevorstehenden Laichzeit unglaublich hell, die Flossen waren fast durchsichtig. Da die Bachforellen schon in der Schonzeit sind, wurde der Fisch rasch versorgt und wieder released.

Wir wussten zwar, dass es schwer werden würde, umso begeisterter waren wir über diesen Fang. Der Bann gebrochen. Auch mein Freund hatte wenig später eine schöne Brown Trout (in schimmerndem weiß, bzw. hellbraun) am Haken.

Wer sieht Meister Reineke? Die Auflösung folgt unten.


 Sagte ich schon, dass ich keine Neopren-Wathose besitze? Nein? Gut, dann mach ich das jetzt. Es war kalt, sehr sogar. Vor allem wenn man bis zur Hüfte im Wasser steht und schön langsam bemerkt, dass es von den Knien abwärts taub wird. Höchste Zeit für Tee mit Rum und Jause auf einer der zahlreichen Schotterinseln der Steyr. Als wir labend und plaudernd auf angespültem Schwemmholz saßen und dabei den Blick in freudiger Erwartung über die zahlreichen Ringe schweifen ließen bermerkte ich am anderen Ufer plötzlich Bewegung. Da mein Freund auch passionierter Jäger is,t war die Freude über die Sichtung des  Fuchses groß, der da seelenruhig und (laut Jäger-Expertise) höchst untypisch gegen 13.00 Uhr einen Waldweg abschlenderte. Wir konnten das stattliche (wieder Jäger-Expertise) Exemplar etwa zehn Minuten beobachten, bevor er sich ins dichte Unterholz davon machte und wir wieder die Angelei aufnahmen.

Und wieder: Fish on!
Wenig später drillte ich wieder. Wieder eine Brown. Wieder um die End-Dreissig und wunderschön hell und schlank. Wieder wunderbar. Was für ein Tag!

Wir entschieden uns danach noch für einen weiteren Stellungswechsel und konnten im Laufe des Nachmittags noch zwei kleinere Regenbogenforellen überlisten. Der Erfolg auf Äsche blieb leider aus, wiewohl wir hier unser Trockenfliege-Dogma übergingen und von Goldkopfnympfen über Nassfliegen und sogar winzig kleine Streamer versuchten. Egal, es war ein wunderschöner Tag in einer sensationellen Herbst-Naturkulisse.

Brown in der typischen Färbung - mein (wahrscheinlich) letzter Fisch 2011.
Jetzt sind es übrigens nur noch 2997 Stunden. Die eifrigen (geschätzten zwei oder drei) Leser von www.gue-flyfishing.blogspot.com brauchen darüber hinaus keine Vernachlässigungsängste haben, selbstverständlich wird hier auch ein Winter-Programm gefahren, ich hab da schon ein paar Ideen...

tight lines,
gue

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Und natürlich folgt auch noch die Auflösung des Bildsuchrätsels - ich bitte wegen der mangelhaften Bildqualität um Entschuldigung, aber ein brauner Fuchs im braunen Wald in ca. 50 Meter Entfernung? Da macht meine Kamera nicht ganz mit, am besten erkennt man das Tier an der weißen Schwanzspitze.

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