Dienstag, 5. Juni 2012

Tag am Meer...

Wie schräg ist das denn bitte? Da ist man mit Frau auf Urlaub auf einer - naja, doch noch recht afrikanisch-rustikalen - Ansammlung von Inselchen mitten im Atlantik (auch Kap Verden genannt) und dann das.

Aber halt. Ich fange etwas früher an. Also wir sind auf den Kap Verden. Wie bereits gesagt mitten im Atlantik. Am Insel-Hoppen. Das heisst drei Inseln in zweieinhalb Wochen. Die Flüge zwischen den Inseln sind eigentlich keine Flüge, sondern größere Sprünge. Der kürzeste Flug dauert sieben (!!!) Minuten. Honeymoon. Eigentlich perfekt. Wenn ... ja wenn da nicht die stetige fischereiliche Ungeduld wäre. Die einen beim Anblick vom Wasser doch gedanklich immer etwas abschweifen lässt. Zu singenden Rollen, tanzenden Fischen und dem Glitzern in den Augen, das ich bei Fangfotos immer am meisten schätze. Da Frau eben MEINE Frau ist, angelt sie selbst. Nicht so exzessiv und manchmal auch obsessiv wie ich, aber sie angelt. Und sie hat Verständnis. Für das Abschweifen. Und auch für das sehnsüchtige Seufzen bei jedem "Big Game Fishing" Plakat, das unseren Weg streift.

Also lässt sie mich auf der zweiten Inselstation unserer Reise auch ein bisschen recherchieren. Was denn so ein Big Game-Ausflug kostet. Und da schlackern dann selbst meine angelfiebrigen Ohren. 800 bis 1.000 Euronen verlangen die Captains hier für einen Tag. Nun ist guter Rat teuer. Immerhin sind die Gewässer hier für die üppigen Marlinfänge bekannt und berühmt. Wir beschließen das ganze mal sacken zu lassen und die ungeplante Investition neutral zu betrachten. Quasi abwarten und Tee trinken. Nur eben die Urlaubsvariante davon. Im Klartext heisst das whale watching und beer drinking. Auf einem Katamaran, der normalerweise für 20 - 25 Leute gedacht ist. In unserem Fall allerdings nicht, wir sind zu zweit am Boot, mit dem Captain und seinem Matrosen kommen wir auf vier Personen. Honeymooner haben eben Glück. Vor allem wenn sie ohne große Recherche ihren Urlaub in der absoluten Kap Verden-Nebensaison buchen.

So weit, so gut. Jetzt können wir eigentlich wieder zurück zum Anfang: Wie schräg ist das denn bitte? Tilo der vorhin angesprochene Matrose hat uns gerade mit dem Schlauchboot vom Sandstrand geholt, wir tuckern gemütlich durch die Brandung Richtung Katamaran. Auf meine Frage ob er denn der Captain ist, verneint Tilo. Auf seine Frage woher wir kommen muss der junge Rastafari grinsen. "Austria? Like our captain!", so seine Reaktion.

Wir reisen also knapp 5.000 Kilometer von unserem Heimatort weg, 600 Kilometer vor die senegalesische Küsten, mitten im Atlantik. Und dann? Ja, dann werden wir von Captain Max auf seinem Bott Maxismus in tiefstem burgenländischen Dialekt begrüsst. Die österreichische Flagge weht an der Reling des Kat und daneben sehe ich auch schon einige Rutenhalterungen. Max freut sich über Gäste aus der Heimat, immerhin ist der Auswanderer schon gut 15 Jahre auf den Inseln der Kap Verden unterwegs. Ab und an reist er für ein paar Wochen nach Hause erzählt er. Aber ich schweife ab.

Segel-Schleppfischen.
Das whale watching ist... nennen wir es beim Namen... gigantisch und einfach zum Niederknien. Einen 18 Meter-Buckelwal mit ausgestreckten Seitenflossen springen zu sehen ist wirklich fast schon zuviel des Guten. Das Max und Tilo auf dem Hin- und Rückweg über den Atlantik auch noch einige Rapala und andere Wobbler im - doch recht bewegten - Wasser tanzen lassen lässt auch das Angelfieber wieder voll ausbrechen. Leider erbarmte sich weder Barracuda noch Hai oder gar ein Marlin bei dem Trip, aber was soll ich sagen: an dem Tag wurde ich durch die Wale ohnehin mehr als nur begeistert.

Bei der Rückfahrt erzählte Max dass er in drei Tagen mit einer achtköpfigen Angeltruppe für zwei Wochen eine Tour zwischen den Inseln macht. Zuvor wollte er allerdings noch einen Kurz-Angeltrip mit ein paar Gästen starten. Lange Rede, wenig Sinn: wir nahmen das unverhoffte Angebot gerne an und trafen uns zwei Tage später wieder mit Matrose Tilo am Strand.

Zigarettenpause beim Schleppfischen.
Die Ausrüstung war üppig, schweres Big Game Gerät war ebenso dabei wie etwas geringeres Tackle zum Grundfischen auf einem Riff in etwa 60 Meter Tiefe. Am Wege zum Riff wurde geschleppt, am Riff selbst versuchten wir mit Fisch- und Tintenfischfetzen auf schweren Bleibirnen und einer Art Pilkern unser Glück.




Was soll ich sagen? Beim Schleppen hatten wir abermals kein Glück. Captain Max erzählte aber auch, dass die Gewässer seit 1-2 Jahren von russischen und asiatischen Trawlern mit riesigen Schleppnetzen regelrecht geplündert werden. Dafür war das Grundfischen ein Knaller.

Köder fürs Grundfischen.



Kaum hatten die Fischfetzen Bodenkontakt knallte es schon an meiner Rute. Ein Erdbeergrouper hatte sich erbarmt und lag nach kurzem aber heftigen Drill an Deck. Die nächsten beiden Stunden ging es schön zwischen den Anglern abwechselnd so weiter. Grouper, Snapper und verschiedenste andere Riffbewohner fanden den Weg in den Fangkübel oder wurden gleich wieder zu Köder verwertet.
Meine Frau hatte überhaupt den Jackpot und durfte kurze mit einem Hai ringen, ehe das Vorfach w.o. gab.

Matrose Tilo mit Muräne.
Matrose Tilo machte noch kurz Bekanntschaft mit einer Muräne (welche auf den Kap Verden als Delikatesse gilt und deshalb ebenso entnommen wurde) ehe wir wieder die Segel setzten und zurückfuhren und nochmals (leider erfolglos) die Schleppköder auslegten.













Ohne Augenglitzern, dafür mit wunderschönem Fisch.

Obwohl ich noch kurz mit dem Gedanken spielte mich der achtköpfigen Angelcrew für die nächsten beiden Wochen anzuschließen entschied ich mich dann doch eher für die Honeymoon-Fortsetzung... ;-)

tight lines,

gue









Abschließend noch ein paar weitere Eindrücke dieses doch recht besonderen Angeltags:

Tackle
Fischerboot



Ein Teil des Fangs wurde selbstverständlich prompt verwertet: Grouper,
laut Tilo eine Doradenart,
und Snapper.





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