Dienstag, 30. April 2013

„Mit IGFA-Rekorden kannst Du mich jagen, die gehören verboten“

Seit über 30 Jahren fischt der Vorarlberger Günter Feuerstein mit der Fliege und hat sich in dieser Zeit als Wurflehrer, Buchautor und Guide auch über die europäischen Grenzen hinaus einen Namen gemacht. Im Interview fordert er ein Umdenken an vielen Vereinsgewässern, verrät seine Meinung zur weiteren Entwicklung der Fliegenfischerei und erklärt warum Stufe Fünf manchmal prompt wieder Stufe Eins wird. 

Günter Feuerstein am Werfen.
Günter, Du bist ja ein echter Tausendsassa im FliFi-Bereich, bist Wurflehrer, Guide, sehr viel auf Angelreisen unterwegs und außerdem noch Buchautor – wie viel Zeit findest Du denn selbst noch zum Fischen, bzw. hast Du überhaupt noch so großen Spaß daran?
Ich komme gerade vom Fischen am Alpenrhein und wer sich bei dieser Kälte (Anm.: das Interview wurde Mitte Februar bei durchschnittlichen -5 bis -10 Grad Außentemperatur geführt) ans Wasser stellt muss wohl noch Spaß daran haben (lacht). 
Aber ja, natürlich verändert sich das Angeln über die Jahre. Ich denke, dass ein Angler hier einfach verschiedene Stufen durchmacht. Von der ersten Stufe (mal einen Fisch fangen) über die Stufen zwei (viele Fische) und drei (große Fische) hin zur vierten (viele große Fische) schlussendlich zur fünften und letzten Stufe, nämlich den Fisch des Lebens zu fangen. Und wenn sich dann diese Chance bietet ist der Angler sehr schnell wieder auf Stufe eins: sprich, er will ihn einfach fangen. Das ist doch auch das schöne daran: man kann nichts erzwingen. Beispielsweise gibt es bei uns am Alpenrhein wilde Regenbogenforellen jenseits der zehn Kilogramm, und genau deswegen stell ich mich bei dem Wetter ans Wasser und nehme auch Schneidertage in Kauf. Übrigens war auch heute so ein Tag. 

Freitag, 19. April 2013

Tackletest Thinkfish Flypad

Mein erster Gedanke beim Öffnen des Paketes aus Spanien: "Ja. Da hat sich mal wer wirklich Gedanken gemacht." Ich muss allerdings zugeben, dass sich dies (noch) nicht auf den Inhalt selbst, sondern ehrlich gesagt eigentlich mal lediglich auf die Verpackung des Thinkfish Flypads samt Flypadbox bezog. Die erste Assoziation war die, dass auch eine gewisse US-Firma gerne ein ähnliches Verpackungsdesign nutzt. Ja, genau, die, eh schon wissen, die mit der Birne als Logo, oder wie war das?

Ja, darin könnte sich auch ein Telefon oder mp3-Player wohl fühlen.
Egal. Obst gibt es auch in Spanien und eine schön puristische Style-Verpackung ist beim Angelzeug vielleicht ungewohnt aber keinesfalls umsonst. Zumindest meiner bescheidenen Meinung nach.

Aber worum gehts überhaupt? Die findigen Spanier der Firma Thinkfisch ließen in der letzten Zeit schon einige Male aufhorchen, so zum Beispiel mit der Bold-Semiautomatikrolle, welche einige Angler durchaus als würdigen Nachfolger der berühmten Vivarelli-Rollen sehen. Aber auch darum gehts nicht.

Im Endeffekt geht es darum, dass es im nordspanischen Städtchen León nicht nur prächtige Kathedralen zu bewundern gibt (aber auch), sondern eben auch innovative Menschen leben, die das Fliegenfischen weiterentwickeln wollen. Mit dem 2012 - auf der EFFTEX ausgezeichneten - Flypad haben sie das meiner Meinung auch in gewisser Weise gemacht.

Bienenkasten-ähnliches Schlichtsystem.
Das Prinzip ist denkbar einfach: Jeder einzelne Tray kann - je nach Bedarf - mit Fliegen befüllt werden und in der luftdurchlässigen (sehr schlau!) 20x20x11 Zentimeter großen Flypadbox eingelagert werden. Diese lässt sich von zwei Seiten öffnen, bietet Platz für insgesamt acht Trays und auch die beiden wasserdichten Flypads können links und rechts bei der Box mittels formschönem Klettverschluss verstaut werden. In weiterer Folge kann man sich kurz vor dem Gang zum Wasser entscheiden welche beiden Trays denn mit an ebendieses dürfen.

Schnell austauschbare Trays.
Voll gefüllt sollen die zehn Trays (acht in der Box, zwei in den Flypads) übrigens 1.200 Fliegen fassen. Da ich jedoch kein Freund von vollgestopften Fliegenboxen bin, und auch auf die schnelle keine tausenden Fliegen binden wollte, kann ich das allerdings nicht verifizieren. 

Auch der Preis kann sich wirklich sehen lassen, kostet die schwarz-orange Box samt vier Trays um die 70 Euro und jedes Flypad samt Tray darin nochmals rund 25 Euro. Wer schon einma hochqualitative Fliegenboxen gekauft hat, weiß, dass diese Preise nicht allzu dramatisch sind, vor allem da sie endlich Ordnung in den Fliegenbox-Dschungel bringen.

Die Flypadbox hat Potential für 1.200 Fliegen.




Noch ein interessanter Aspekt: für Fliegenfisch-Vielreisende bietet die gefüllte Box eine sehr gute Möglichkeit relativ platzssparend und vor allem übersichtlich geordnet eine immense Summe an Fliegen mit in die Reisetasche zu packen. 

Einziger Wermutstropfen an der spanischen Idee: sobald die Fliegen etwas größer sind haben sie auch keinen Platz mehr in der Box. Bevor jetzt das große Schreien losgeht: ich rede von Streamern, alles andere (auch wirklich große Chernobyl Ants) fanden problemlos in dem schwarzen Kästchen Platz.

Und wer sich jetzt das Flypad-System nochmals visuell erklären lassen möchte, dem sei der folgende 47-sekündige Spot empfohlen. Dann sollten sämtliche Fragen beantwortet sein. ;-)

In diesem Sinne: ¡Hasta pronto a el agua!

Tight lines, gue

www.thinkfishworld.com

Dienstag, 16. April 2013

Tackletest: Traun River Big Fly Carrier

Vor allem bei der Fischerei auf größere Zielfische (Hecht, Zander & Konsorten in unseren Breiten und natürlich viele stark bezahnte Schuppenträger im Salzwasser der wärmeren Klimazonen) erreichen Fliegenboxen rasch ihre natürlichen Grenzen. Oftmals behilft man sich halt einfach damit - ähnlich wie beim Flugangeln auf Salmoniden - mehrere Fliegenboxen mitzunehmen und somit in weiterer Folge meist auch wortwörtlich am Mann zu tragen. Das kann nerven, da größere Fische im Normalfall auch größere Fliegen bevorzugen, vor allem wenn es wie vor schon angesprochen um die Pirsch auf Raubfische geht.

Könnte farblich auch bei der Post Karriere machen.
Nun haben sich die Mannen in der lieblichen oberbayerischen Provinz rund um einen gewissen Rudi Heger genau über diese Problematik Gedanken gemacht und seit kurzem einen knallgelben "Big Fly Carrier" oder auf gut Deutsch ein "Männerhandtascherl" im Sortiment (bitte jetzt nicht mit der Männertasche samt sechs Behältnissen voll edlem Gerstengebräu verwechseln, welche in gewissen Momenten natürlich auch ihre Berechtigung hat).

Meine neue Hecht-Handtasche und ich.
Das Innenleben des Köfferchens besteht aus zwei 17 x 24 Zentimeter großen, mikro-geschlitzten Schaumplatten, welche speziell für Großfliegen gebaut wurden. Deshalb macht auch schon das Befüllen des Carrier Spaß und entwickelt sich nicht wie leider oftmals bei "normalen" Streamerboxen dank brüchigem Schaumstoff und zu kleinen Schlitzen zu einer Odysee samt Prä-Angel-Frust. Mittels integriertem Griff und zwei großen Schnapp-Verschlüssen (welche sicher auch bei arktischer Huchenfischerei problemlos zu öffnen sind) ist es das eigentlich auch schon gewesen. Das Gute daran: es muss auch nicht mehr sein. Einfach, gelb, übersichtlich und geht dahin quasi.

Bunt, bunter, des Autoren Streamer-Schatz.
Der - farblich perfekt in die aktuelle Post-Modekollektion passende - Koffer ist zu einem Preis von 34,90 Euro exklusiv bei Rudi Heger zu haben, wer ein bisschen mehr investieren möchte bekommt dort um 99,90 eine - mit elf Großfliegen ausgestattete - fix einsatzfertige  Streamerbox für die Pirsch auf Zähne und Schuppen. Da das knallgelbe Teil auch genau in eine der Seitentaschen meines Bellyboats passt, ist zwar wahrscheinlich lediglich Zufallsglück, aber nichtsdestotrotz eine Tatsache, die mir den Big Fly Carrier abermals sympathischer macht. Fazit: ist bereits fix in meine FliFi-Bande aufgenommen und freut sich tierisch auf den ersten Einsatz am Wasser.

Tight lines, gue

Sonntag, 7. April 2013

Quote (#31)

Genau, endlich mal weg von dem esoterischen Gefasel á la "feed him for a lifetime" hin zur Realität - so siehts aus. :-)

tl,
gue

Montag, 1. April 2013

Fliegenfischen aus dem Pinsel

Schon als Kind war kein Stift vor ihr sicher. Als Angela Lenz nach einem schweren Unfall ihren Beruf nicht mehr ausüben konnte, machte sie eben das Hobby zum Broterwerb. Die Selfmade-Malerin aus Unterach ist erfolgreich mit ihrer Kunst.

Wirklich fast jeder kennt Bob Ross, den amerikanischen TV-Mallehrer, der in den 80er Jahren mit Afro-Frisur, Vollbart und samtweicher Stimme in wenigen Minuten wahre Wunderwerke auf die Leinwand brachte. Hier ein bisschen wischen, da ein bisschen tupfen, und fertig waren Nadelwald, Wasserfall oder beeindruckende Bergszenerien. Leider sahen die eigenen Zeichen- und Malversuche dann meistens doch etwas anders aus.

Eine echte Vollblut-Malerin: Angela Lenz.
Auch die mittlerweile hauptberufliche Künstlerin Angela Lenz hat nach Jahren der kindlichen Kritzelei die ersten Schritte in die Kunstwelt mit dem Amerikaner vor dem TV-Schirm gemacht. „Ich bin sogar überzeugt, dass jeder mit Bob Ross malen lernen kann“, sagt die 32-Jährige, „ob und wie weit man sich entwickelt hängt dann natürlich vom Talent ab“. Im Fall von Angela Lenz kam noch ein zweiter Faktor – nämlich das Schicksal – hinzu.

Nach einem schweren Autounfall im Jahr 2001, bei welchem ihr ein alkoholisierter Lenker frontal ins Auto krachte war alles anders. Nach der langen und zehrenden Rehabilitation, bei welcher sie auch ihren Lebensgefährten – den damals ebenfalls schwer verunfallten – Gerald aus Unterach am Attersee kennenlernte, änderte sich das Leben der Tirolerin grundlegend.

Fliegenfischer als Zielgruppe 

Ursprünglich war die Gastronomie der Brotberuf von Lenz, allerdings war dieser für sie nun nicht mehr auszuüben. Also orientierte sie sich in Richtung der Kunst und begann sich autodidaktisch als Künstlerin zu formen. „Eigentlich begann alles 2004 mit nostalgischen Postkarten von Unterach und Mondsee, von welchen ich die Motive in Öl malte und in den jeweiligen Banken ausstellen durfte“, erinnert sie sich.

Auch Jagdszenen gehören zu den Motiven von Lenz.
Durch einen Zufall knüpfte das Paar Kontakte zur Angel-, genauer gesagt zur Fliegenfischerszene. Hier kamen die künstlerischen Naturmotive von Lenz gut an. Als dem Paar dann noch die Idee zu aufwändig bemalten Fliegenboxen aus Bambus kam, war für Lenz – obwohl sie selbst nicht angelt – klar, dass dies eine Marktlücke war.

Exklusive Fliegenboxen aus Bambusholz.
Zwischen 80 und 400 Euro kosten die exklusiven Köderbehältnisse. „Allerdings werden die meisten wohl eher in einer Vitrine ruhen als zum Fischen verwendet.“ Auch die Porträts von geliebten Tieren – und hier vor allem Hunden – sind genauso wie Jagdszenen dank steter Nachfrage samt Aufträgen ein einträgliches Geschäft für die kreative Unteracherin mit dem Hang zu Naturmotiven.

Weitere Informationen und viele Beispiele für die Kunst von Angela Lenz finden sich hier. 


Fliegenfisch-Motiv auf Papyrus.
Fliegenbox im Detail.