Freitag, 22. November 2013

Der Papst und eine Jungfrau ...

... waren einmal auf der Suche nach etwas Wunderschönem, aber auch sehr sehr Seltenem.

Auf der Suche nach dem silberroten Schatz.
Was nach dem Anfang eines billigen Witzes klingt, ist eigentlich nur die Kurz-Zusammenfassung meiner vergangenen beiden Tage. Zur Erklärung, ich war mit Philipp, einem (vor diesem Trip noch ausschließlich virtuellem) Angelfreund an der Mur um Ende November was zu tun? Eh klar, um Huchen zu suchen. Dass ich dabei die Jungfrau war und (um vorzugreifen) auch noch bin ist leider Tatsache. Aber egal, ich durfte etwas wirklich sensationelles miterleben, wovon ich euch hier natürlich gerne erzähle...

Schon seit mittlerweile einigen Jahren sind Philipp und ich in Kontakt um uns
a) endlich mal persönlich kennen zu lernen und
b) die spätherbstliche/winterliche Mur zu besuchen und dort gemeinsam dem Fisch der tausend Würfe nachzustellen.

Was soll ich sagen, Stress im Job hier, eine Grippe da und schon sind ein paar Winter ins Land gezogen, ohne Huchenpirsch und auch ohne Kennenlernen.

Nomen est omen? JA HOFFENTLICH!
Dies wurde nun nachgeholt, und das sogar mehr oder weniger spontan. Zwei Tage kurzfristiger Urlaub waren bei mir auch drinnen und somit stand der Streamer-Prackerei an einem der vielversprechendsten Huchenwasser Österreichs nichts mehr im Weg. Um fünf Uhr aufstehen, drei Stunden im Auto und los gings. Dass ich dabei auch an einer sehr vielsprechenden Ortstafel vorbeikam ließ meine Vorfreude nur noch mehr steigen.

Nach den Formalitäten (Kartenholen und naja, eben persönlich Kennenlernen) ging es ans Wasser, das - laut meinem kundigen Angelfreund - momentan besser nicht sein könnte. Das er von mir eigentlich seit der ersten PM im Angelforum als "Huchenpapst" bezeichnet wird, sei mal nur so dahingestellt. Aber nein, ein bisschen neugierig möchte ich euch schon machen: es hat sich auch mehr als bewahrheitet.



Also gut, er mit Switch-Zweihand, ich mit starker #9-Einhand (zuerst hatte ich meine #7 am Start, bemerkte allerdings bald, das diese bei den riesigen Streamern zu wenig Rückgrat hat), und los gings. Das erste was wir fingen waren ... Hänger. Und die nicht zu knapp. Trotz 0,40er-Fluorocarbon-Vorfach gab es auch den einen oder anderen Abriss, aber hey, "das ist eben Huchenfischen", sagte Philipp. Und ich grinste. Waren meine bisherigen Versuche in Salzburg auf den König der Kälte zugegebenerweise ohnehin eher halbherzig, bzw. ganz einfach eine Befriedigung der Fischerei-Geilheit in der normalerweise angelfreien Zeit, so war hier tatsächlich eine echte Chance darauf.

Perfekter Zweihand-Loop trotz halbem Hendl am Vorfach.
Also fischten wir Spot um Spot ab, und ja, wir hatten auch Fischkontakt, zumindest waren sowohl der Huchenpapst als auch ich davon überzeugt, das wir je einen zarten Biss spürten und diesen prompt versemmelten.

Am Nachmittag entschied sich Philipp für einen Taktikwechsel und rückte mit der Spinnrute und riesigem Gummifisch samt Doppel-Drilling aus um im oftmals reissenden Wasser besser auf Tiefe zu kommen.

Nächster Spot. Während ich noch wate, steht er schon am Ufer und lässt den Riesengummi segeln. Erster Wurf - Hänger, der sich lösen lässt. Zweiter Wurf - Hänger der sich nicht lösen lässt. Somit muss ein neuer Gummi rauf. Dritter Wurf - Biss!!! Nach einem kurzen Wälzen an der Oberfläche konnte sich der Donaulachs allerdings befreien und ja, Philipp litt plötzlich am Tourette-Syndrom.

Nachdem er sich wieder halbwegs beruhigt hatte, wurde es philosophisch: Ist es denn besser einen Fisch zu haken und danach zu verlieren oder gar keinen Fischkontakt zu haben? Ja, Fragen wie diese standen - neben allerlei Flucherei - nun am Tagesplan. 

Spotwechsel. Eine ehemalige Buhne, die nun überspült ist und dennoch unter Wasser ein schönes Loch ausgegraben hat. Der dritte und letzte Gummifisch kommt an den Karabiner während ich weiter Richtung streamerfreundlichere Strömung wandere. Ich werfe. Philipp wirft. Und ich höre ein Schreien. Aber nicht das bekannte Schreien mit dem F-Wort, sondern ein anderes. Also Füße in die Hand nehmen und zurücklaufen. Währenddessen kämpft der Huchenpapst schon mit dem Rotfisch. Und dieses Mal entkommt er nicht. Unglaublich! Sensationell!! Was für ein Fisch!!!

Ein Wahnsinsfisch fest im Griff.
Ein Kreuz wie ein Stier.
Die Zeichnung zum Niederknien.
Und da kommt dann der Antrieb her.
Etwa 15 Kilo hatte der Bulle - WAS FÜR EIN FISCH!
Es war vollbracht. Der Papst hat wieder zugeschlagen. Und ich durfte dabei sein und das erste Mal einen wilden Huchen aus der Nähe bewundern. Und Philipp musst wieder schreien. Allerdings in die andere Stimmungsrichtung.

Wieder Spotwechsel. Der letzte des Tages, da die Dämmerung bereits einsetzte. Wir fischten kleinere Buhnenköpfe ab, beide wieder mit Fliegenmontur. Ich konnte dabei im seichteren Vorlauf der Buhnen abermals einen ganz sanften, fast spielerischen Biss vermelden, und ja, ich verkackte ihn wieder souverän und ließ auch den einen oder anderen Kraftausdruck mit der Strömung treiben.

Die Buhnen wurden also nacheinander abgefischt, eine sehr stark verwachsene und somit nahezu wurfunmögliche ließ ich nach zwei relativ sinnlosen Mikrodistanzwürfen aus und ging zur nächsten als ... kein Scherz ... Philipp wieder am Schreien war. Unglaublich. Die von mir nur kurz gestreifte Buhne war mit der Switchrute doch deutlich besser zu befischen und war die Heimat von einem weiteren kapitalen Rotfisch.

Der nächste Traumfisch samt Riesenstreamer.
Und so sieht dann Freude aus.
Und auch der Autor durfte zumindest mal kurz halten ...
... bevor der Murkönig wieder in sein Reich durfte.

Am nächsten Tag hatte Philipp leider keine Zeit mehr, aber nach den Geschehnissen des Vortages war ich auch solo motiviert bis in die Haarspitzen und kannte nun zudem einige Hotspots.

Rund 20 Zentimeter-Streamer für den König.



Da mir der Huchenpapst sogar seine restlichen Eigenbau-Streamer überlassen hatte, konnte eigentlich nichts mehr schiefgehen, oder? Was soll ich sagen, es ging nichts schief. Aber so richtig auf ging leider auch nichts. Es folgte ein Huchenangeltag wie ich ihn eigentlich erwartet habe. Keinerlei Fischkontakt, saukalt und zahlreiche Verluste in der Streamerbox. "Ein Angler aus der Gegend brauchte 13 Jahre für seinen ersten Huchen", erzählte mir Philipp noch am Vortag. Der Bauer, der mit seinem Hund am Nachmittag am Ufer vorbeispazierte schilderte sogar den Fall eines Mur-Anglers, den der Fang des Salmoniden-Königs scheinbar so sehr aufgeregt hatte, dass er nur mehr tot am Ufer gefunden wurde. Und neben ihm lag ein kapitaler Huchen.







Blasen und Schnitte vom eiskalten Wasser und der Streamerangelei gehören dazu.



Also hieß es ohne nach zwei Tagen an der Mur ohne fischereilichen Erfolg, aber mit vielen schönen Erlebnissen und Eindrücken sowie einem sehr netten neuen Freund wieder den Heimweg anzutreten. Bin ich darüber sonderlich verärgert? Keineswegs. Neidisch auf die unglaublichen Fänge? I wo, ich bin froh dabei gewesen zu sein. Immer noch motiviert? Und wie! Der Fisch der tausend Würfe wird mich schon noch zu Gesicht bekommen, davon bin ich überzeugt.

tight lines, eure Huchen-Jungfrau gue







PS: Da ich während der Angelei auch ein bisschen gefilmt habe, wird in nächster Zeit wohl auch noch ein Film nachgereicht werden. Hier gibt es noch einen kleinen Teaser mit Unterwasseraufnahmen des ersten Mur-Bullens.








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