Dienstag, 18. Februar 2014

Fischige Feststpiele für Jedermann

Rund um die Mozartstadt gibt es einige echte Perlen, wie den Mörtelbach.


"Jeeeeeeeeeeedermaaaaann" tönt es im Sommer über Salzburgs prächtige Altstadt. Lässt man die Phantasie ein bisschen spielen, so könnte dieser Aufruf auch uns Fluganglern gelten, schließlich ist es für Jedermann (und natürlich auch Jederfrau) gar nicht weit entfernt des Festspielgeschehens möglich nicht nur kulturellen, sondern auch fliegenfischereilichen Hochgenuß zu erleben. Die Rede ist dabei aber nicht von der Salzach, die sich wie eine mächtige Schlange mitten durch die geschichtsträchtige Stadt an der Alpennordseite schlängelt, sondern von der Saalach und dem kleinen, aber sehr feinen Mörtelbach. Während ersteres Gewässer auf einer Länge von zwölf Kilometer klassische Flußfischerei mit allen Vor- und Nachteilen bietet, ist der Mörtelbach ein echter Geheimtipp für Liebhaber der Indianerfischerei.


Auch Fische über 50 cm sind in der Saaalch möglich.
Fischen hart an der Grenze
Aber der Reihe nach, zur Saalach. Im Speziellen dreht es sich hier um das Revier der Peter Pfenninger Schenkung (PPS) zwischen der Salzburg-Bayerischen Grenze und dem Einfluss in die Salzach.  Interessant dabei ist, dass zusätzlich, dass hier an einem Grenzfluß gefischt wird, das rechte Ufer flussabwärts gehört zu Österreich, das linke zu Bayern. Da beide Länder für den Fischbesatz sorgen ist dieser verständlicherweise exzellent. Wie bereits erwähnt erstreckt sich das zu befischende Gebiet hier über zwölf Kilometer, zwei davon sind die ganze Saison nur für uns Fliegenfischer reserviert. Vom zweiten Samstag im März bis zum 30. November ist hier die Fischerei erlaubt, was - im Vergleich zu vielen anderen Gewässern in der Gegend rund um Salzburg - eine sehr lange Saison bietet.  Zusätzlich kommt uns Fluganglern entgeben, dass von Saisonbeginn bis 15. April und ab 1. Oktober bis Saisonende die gesamte Strecke nur mit der Fliege befischt werden darf. Soweit, so sensationell, oder? Genau. Aber. 

Wenn das Schmelzwasser kommt ist die Saalach unbefischbar.

Natürlich gibt es ein aber, welches in diesem Fall sogar relativ groß ist. Aber die Saalach entspringt in den Alpen und bietet auf ihrem - gut 100 Kilometer langen - Weg vielen alpinen Bächen und Strömen die bequeme und optimale Möglichkeit zur Schmelzwasser-Entwässerung. Und das bedeutet? Leider wenige Wochen nach dem Saisonstart eine Zwangspause, die sich meist über mehrere Wochen, oft sogar über Monate hinzieht, bevor das Wasser wieder befischbar wird.








Der Mörtelbach überzeugt mit glasklarem Wasser.
Weck den Indianer in Dir
Ganz anders der Mörtelbach. Eine halbe Stunde Fahrzeit von der Mozartstadt entfernt bietet sich hier dem Fliegenfischer samt seinem leichten Gerät ein echtes Kleinod. Meist nicht mehr als wenige Meter breit bietet das Gebirgsbächlein auf rund sieben Revierkilometern Bachfischerei der Extraklasse. Glasklares Wasser, wildgewachsene Fische, die sich immer wieder gerne zur Trockenfliege überreden lassen. Im Normalfall erreichen die Bachforellen hier zwar keine Trophy-Größen, doch dafür ist ein entspannter Angeltag inmitten alpiner Natur sicher. Hier wechseln sich sehr seichte Stellen samt unterspültem Ufer mit tieferen Wehrgumpen und großen Steinpackungen ab, wunderschön gepunktete Bachforellen sind jedoch nahezu überall anzutreffen, und auch der eine oder andere Ausnahmefisch (in diesem Fall ist alles über 40 Zentimeter hochkapital) ist immer möglich. 

Meist nicht allzu groß, aber immer wunderschön.
Ganz wichtig am Mörtelbach: Augen auf! Selbst das kleinste Rinnsaal birgt hier Fisch, aufgrund der geringen Gewässergröße ist allerdings auch höchste Vorsicht samt lautlosem Pirschen gefragt. Nach Starkregen trübt der Mörtelbach meist kurz etwas ein, deswegen empfiehlt sich vor der Fahrt ein kurzer Anruf bei der Tankstelle, welche auch die Angelkarten ausgibt und direkt am Bach gelegen ist (siehe am Ende des Artikels).   






Unterwasser-Portrait einer Saalach-Äsche.
Für Wanderer und auch für Gemütliche
Zurück zur Saalach. Natürlich ist die lange andauernde Schmelzwassereintrübung kein Zuckerschlecken, doch wenn die Bedingungen passen, dann bekommt der geneigte Fliegenfischer auch hier wahren Hochgenuß geboten. Ob Regenbogen-, Bachforellen oder Äschen, die Saalach offenbart einen tollen Fischbestand, vor allem der - im Oberlauf des Reviers gelegene - Bereich in natürlicher Aulandschaft bietet nach einem längeren Fußmarsch zudem auch ein schönes Naturerlebnis. Die Hotspots des unteren Revierbereichs sind zwar weniger natürlich, dafür aber mit dem Auto sehr gut zu erreichen und somit auch für betagtere Angelkollegen ohne Probleme befischbar. 

Eine Verallgemeinerung bezüglich der besten Angelzeit ist hier aufgrund der externen Einflüsse schwer zu treffen, allerdings sind klarerweise der Frühling vor der Schneeschmelze und der Herbst immer einen Besuch wert. Zahlreiche gemütliche Gasthäuser laden entlang des Flußverlaufs zur Fischereinkehr ein. Anders beim Mörtelbach, hier ist die Jause wohl eher selbst mitzubringen, da die meiste Zeit in einsamen Schluchten und auf ebenso verlassenen Bergwiesen verbracht wird.

Kapitale Mörtebach-Brownie auf leichtem Gerät.
Die Qual der Tackle-Wahl
Während an der Saalach ruhig stärkeres Gerät verwendet werden soll (Rutenklasse 5 für die Trockenfliege bis 7 zum Streamerfischen in einer Mindestlänge von 9 Fuß ist ideal, auch eine kleine Zweihand wäre hier sicher möglich, wurde allerdings von mir noch nicht versucht) darf am Mörtelbach das ganz feine Gerät ausgepackt werden, ich selbst nehme hier eine #3 in 7 Fuß Länge samt DT-Schnur, da Wurfweiten über fünf, sechs Meter weder benötigt noch möglich sind. Generelle Fliegenempfehlungen sind schwer zu treffen, allerdings gibt es mit dem - von der lokalen Gewässeraufsichtsbehörde veröffentlichten - "Salzburger Fliegenatlas" (mehr dazu hier) eine wissenschaftlich fundierte Hilfe um den richtigen Griff in die Fliegendose an den Salzburger Fliegengewässern zu tätigen. Grundsätzlich sind die Fische mangels Befischungsdruck (Mörtelbach) bzw. aufgrund des großen Reviers (Saalach) nicht besonders heikel.


Ihr seht es wohl selbst, die Gegend rund um die weltbekannte Mozartstadt hat auch für uns den unmusikalischen Fliegenfischer einiges zu bieten, ob man dabei klassische Arien schmettern möchte oder nicht ist (gottseidank) jedem selbst überlassen. Aber auch ich gebe es gerne zu, trotz kapitaler Dysmusia kam selbst mir das eine oder andere Mal aus lauter Freude am Angeln schon ein Lied über die Lippen...

Daten und Fakten
Saalach
Saison: 2. Samstag im März bis 30. November
Preise (2013): Tageskarte 35 Euro, Zehntageskarte 240 Euro, Jahreskarte 450 Euro
Reiverlänge: knapp zwölf Kilometer, davon ganzjährig zwei Kilometer reine Fliegenstrecke
Weitere Infos/Kontakt: www.pfenninger.at

Mörtelbach
Saison: 1. Mai bis 30. September
Preise (2013): Tageskarte 35 Euro
Revierlänge: rund sieben Kilometer
Infos zu Wasserstand und auch Kartenausgabe: Tankstelle Gaißau (Familie Eibl) +43/6240/202

Wenn Interesse besteht, gebe ich auch gerne Guidings an diesen Gewässern, weitere Infos dazu gibt es hier.

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