Sonntag, 2. März 2014

An Tagen wie diesen ...

Ich bin ja jetzt eigentlich kein großer Fan der Toten Hosen, aber ... jaaaaaaaa ... ich geb es zu, dieses Mal passt das.

"Ich wart seit Wochen, auf diesen Tag"

Endlich war es es soweit. Saisonstart. Wie schon im letzten Jahr (Bericht dazu gibt es hier) feierte ich diesen an meinem an meinem kleinen Jahreskartengewässer, das wiedermal bewies, dass es nicht immer auf die Größe ankommt. Aber halt, mal langsam. Nachdem ich nach einigen fischlosen Wochen also klarerweise bereits am Vorabend in vollster Vorfeude das Tackle hergerichtet habe, sprang ich am 1. März auch ohne Wecker sehr früh aus dem Bett. Da das Auto schon beladen war, fehlte nur noch ein kleines Frühstück um mich wenig später bei Morgenfrost am Ufer einzufinden. Eine zwischenmenschliche Beobachtung am Rande: Scheinbar wurde der Saisonstart der Angler heuer auch zeitgleich mit dem der Saisonstart der nimmersatten Angel-Fragestellern gelegt. Unglaublich, was ich in den ersten Stunden angequatscht wurde. Von dem klassischen "Und, geht was?" (natürlich ohne jegliche Grußformel vorweg und deswegen auch jedes Mal von mir gänzlich negiert - auch am Wasser kann man meiner Meinung nach gewisse Umgangsformen erwarten) über das "Sind da schon Fische drinnen?" und das "Was ist denn das?" (wurde leider bei beiden Fragestellern nicht  wirklich genauer konkretisiert und deswegen auch relativ schwer in der Beantwortung) bis hin zu den einen oder anderen exotischeren Statements wie "Die Rute hab ich auch, da fang ich immer ganz super, vor allem mit Käse oder Würmern" - und ja, ich hatte zu diesem Zeitpunkt meine #3 Bach-Fliegenrute in der Hand) war einiges dabei. Aber meine Laune blieb gut, die Sonne strahlte und ich gleich mit. Hey, erster Tag der Saison, oder?


Als der Tag schön langsam in Schwung kam und die Temperaturen merklich stiegen, weckte dies auch die Flossenträger auf und in Kürze konnte ich zwei, drei Regenbogenforellen und auch eine schöne Bachforelle sowohl auf Trockenfliege als auch auf Nymphe überlisten. Klar, Besatzfische, die erst vor kurzem aus der Zucht gekommen sind, da braucht man sich nichts vormachen, aber wie gesagt: Hey, erster Tag der Saison, oder?

Wunderbare Barbe und kampfstarke Bachforelle aus dem gleichen Pool.
Spannend wurde es, als ich gänzlich unerwartet auf einen großen Trupp Barben stieß, in deren Fanclub ich seit letztem Sommer (Berichte siehe hier und auch hier) ja offiziell Vorstandsvorsitzender bin. Also gut, die gleiche Strategie wie letztes Jahr, schwebendes Nympherl rauf und schauen wir mal was passiert. Eigentlich auch das gleiche wie letztes Jahr, die Fische sind superscheu und nehmen gleich mal Reißaus. Nachdem ich mich ein bisschen der anglerischen Haupttugend, nämlich Geduld, besonnen habe rastete ich ein bisschen in der Sonne und versuchte wenig später nochmals mein Glück auf die Süßwasser-Bonies. Und siehe da, kurz daruf hing tatsächlich eine stattliche Barbe am Seil und zeigte keinerlei Frühjahrsmüdigkeit, sondern ließ die Rolle kreischen, dass sich die 3er-Rute verneigte.

"An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit."

Wunderbar. Weniger wunderbar ist die logische Tatsache, dass am Saisonstart auch deutlich größerer Angeldruck herrscht, mein Erfolg nicht lange unbeachtet blieb und ich somit mein lukratives Barben-/Forellenplatzl zwei, relativ aufdringlichen Jungfischern überließ, die mir mit ihren Wurmmontagen und der Blinkerei auf kleinstem Raum trotzdem nicht die Laune vermiesen konnte. Wie auch: Hey, erster Tag der Saison, und das mittlerweile sogar mit Fischerfolg...


Logische Gleichung: Seeforelle + leichtes Gerät = sehr viel Spaß.
Also wurde weiterspaziert. Und ich wurde von Passanten/Jungmüttern/Hundebesitzern/wemauchimmer mal mehr mal weniger sinnbefreit weiterbefragt. Nachdem ich ein bisschen gewandert war und inzwischen auch die Mittagsjause ihrer Bestimmung gefolgt war, kehrte ich an den Pool von vorhin zurück. Die Jungangler waren inzwischen weg und ich war wieder im Spiel. Und zur Abwechselung hatte sich hinter mir an der Böschung ein Angelstalker platziert, der mir schon seit geraumer Zeit am Ufer nachgeschlendert war, diesmal allerdings wenigstens wortlos.

Wurf eins brachte gleich eine mittelgroße Regenbogenforelle, und der Folgewurf, ja der Folgewurf, der brachte etwas besonderes. Eine schlanke aber dennoch absolut nicht kraftlose 42er Seeforelle zappelte an der Nymphe! Nachdem ich den wunderschönen Fisch wieder in sein nasses Reich entlassen hatte, wollte ich den Pool nicht übereizen, sagte den dortigen Fischlein und meinem stummen Stalker ebenso lautlos salü und widmete mich nun der Aufgabe, wegen welcher ich auch mein #7-Gerät mit im Auto hatte.

"An Tagen wie diesen, haben wir noch ewig Zeit" 

Dicke Überraschung im Fly Only-Bereich.
Was macht man am Saisonstart? Natürlich, man kümmert sich gleich mal um die Jahresaufgabe, bzw. versucht es zumindest, ist ja nur eine Angelsaison Zeit um das selbstgesteckte Ziel zu erreichen. Treue Leser, wissen wahrscheinlich schon was ich meine, der Nachmittag stand also ganz im Zeichen der Fliegenfischerei auf Karpfen (erste Tipps und Grundregeln dazu gibt es hier). Sensationellerweise habe ich nämlich während der Wintermonate einen stattlichen Trupp der Bartelträger mit teilweise (zumindest für meine Vorstellungen) hochkapitalen Exemplaren in der Fly Only-Strecke meines Jahreskarten-Flüssleins entdeckt. Das Hochwasser des vergangenen Jahres dürfte den Wasserschweinderln einen Super-Persuit-Ritt aus ihrem eigentlichem Zuhause, einem See, hin in einen üppigen mehrere hundert Meter langen Fließwasser-Pool beschert haben, der - wie gesagt - zudem Fly only ist.

Soweit, so sensationell. Erste Praxis-Lektion: Wer zu aufdringlich ist, der wird bestraft. Da die Fische im Normalfall sehr ufernah stehen (siehe auch am Bild oben) wird auch jeder Annäherungsversuch prompt mit einer Flucht quittiert. Nachdem ich dies einige Male schmerzlich erfahren musste, wurde also der Super-Slomo-Indianermodus eingeschaltet und ich bewegte mich chamäleonsgleich durch das Unterholz, was mit einer 9 ft. langen Rute in der Hand ehrlich gesagt gar nicht so einfach ist. Nachdem auf diese Art und Weise ein paar Stunden vorbei gingen, sollte es ernst werden: Ich hatte mich entschlossen vorweg mal mit einer schwarz-grünen Nymphe mein Glück auf die Schuppis zu versuchen und ließ diese verführerisch durch eine Gruppe von fünf bis sechs Fischen tanzen als ich es sah, einer der Karpfen saugte die Fliege tatsächlich ein. Und ich setzte den Anhieb durch zwei, drei vehemente Strip-Strikes. Und dann gings los.

"Wünsch ich mir Unendlichkeit"

Zuerst zerrte der Fisch stromaufwärts und ich stolperte über Stock, Stamm und Stein hinterher. Nach einigen Minuten drehte er die Richtung und somit hieß es für mich wieder retour. Als ich bei einem großen Strauch ankam musste ich ins eiskalte Wasser, das zudem klarerweise auch ein bisschen über die Watstiefel schwappte. Egal. Ein Karpfen am Band. Der erste. Und dann. Piiiiiiiiiing. Nein. Nicht ernst, oder? Doch. Das 0,25 Fluorocarbon-Vorfach hat tatsächlich aufgegeben, bzw. wahrscheinlich war auch ich zu aggressiv im Drill und hab das Material überfordert. Ich hockte zitternd am Ufer und fluchte. Nach der ersten Frustwelle musste ich aber auch grinsen. Wirklich ein sehr gutes Gefühl, so ein Biest am Fliegengerät zu haben.

Als würden sie es gerochen haben, tauchten kurz vor dem Fischverlust auch die beiden Jungangler von vorhin wieder auf, und folterten meine ohnehin geplagte Anglerseele nun mit Statements  á la "Wäre das Dein größter Karpfen gewesen?" (Ja, und DER ERSTE auch noch dazu!) und "Wie fühlt sich das denn an, so einen Fisch zu verlieren?" (Nicht ernst, oder?). Als die beiden dann auch noch auf die Karpfen mit dem Blinker zu angeln begannen riss mir schön langsam der Geduldsfaden und ich teilte ihnen freundlich aber bestimmt mit, dass hier a) der Fly Only-Bereich nicht gänzlich umsonst so heißt und ich b) zwischendurch tatsächlich auch einmal die Einsamkeit am Wasser schätzen würde, vor allem in Momenten wie diesen.  

"Das hier ist ewig, ewig für heute"



Aber ich war zweifelsfrei angefixt und wollte nach Bach-, Regenbogen- und Seeforelle, sowie einer schönen Barbe das Feld an diesem sensationellen ersten Tag der Saison nicht karpfenlos räumen. So war zumindest der Plan. Was soll ich sagen, er ging auf. Nachdem sich die Fische wieder beruhigt hatten, konnte ich abermals einen Biss auf Sicht erkennen und setzen, dieses Mal auf eine, mit Splitshots beschwerte Brotfliege. Aber seht selbst:



Beim zweiten Karpfendril versuchte ich vorsichtiger zur Sache zu gehen.
Was schlussendlich auch dazu führte, dass der Fisch den Weg in den Kescher fand.
Seht ihn euch an, mein ERSTER KARPFEN AUF FLIEGE ÜBERHAUPT.
Ein wunderbarer kampfstarker Fisch, der mir einen knapp zehnminüten Drill bescherte und auch die Strömung gut zu nutzen wusste.
Nach einem Bussal auf den schleimigen Karpfenschädel, hieß es Good bye und ich kam den Rest des Tages aus dem Grinsen nicht mehr heraus.

Was soll ich noch groß sagen. An Tagen wie diesen eben...

Tight lines, gue








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