Samstag, 15. März 2014

Mit Demut und Grinser

Eigentlich hat der heutige Angeltag ja ganz normal angefangen. Eigentlich. Als ich dann allerdings an der Saalach ankam war dann doch etwas anders. Es ist nämlich Mitte März und wie im heurigen Jahr überall in der Natur ist auch das Schmelzwasser deutlich früher dran als normal. Also gut, ich komm also wie gesagt am Wasser an und höre lautes Rauschen, wo letzte Woche noch leises Plätschern und Gemurmel war. Nun denn, auch egal, einen Versuch ist es auch im Halbtrüben wert, vor allem wenn ich an meinem einzigen freien Tag der Woche genau deswegen um kurz vor Sieben aufgestanden bin. Zusammengefasst: nachdem ich über knapp drei Stunden mehrere Hotspots abgefischt habe, sich das Ufer ungefähr fünf Meter mehr in Richtung ... naja ... Ufer eben verschoben, und der Wind zudem stetig aufgefrischt hat, war das einzige was ich mit meinem Streamer haken konnte mein Oberarm. Das tat nicht nur relativ weh (Gottseidank Schonhaken!!!) sondern machte auch einer unvermeidbaren Einsicht Platz: schön langsam wirds hier unfischbar.

Also gut, allmählich wurde in meinem Kopf das Wort "Demut" immer lauter und ich textete in Gedanken schon die ersten Zeilen eines Nicht-Fangberichtes. Demut vor allem deswegen weil ich in den ersten drei Angelsessions dieses Jahres schon 37 Fische in meinen nassen Händen halten durfte (darunter Karpfen, Barben, Bach-, Regenbogen- und Seeforellen - Berichte dazu gibt es hier, hier und hier) und somit wirklich schon mehr als gesegnet war. Und naja, natürlich können solche sensationellen Serien nicht ewig andauern, und irgendwie ist das ja auch ok so. Soviel also zum Thema Demut.

Natürlich ist die Angelgeilheit trotzdem ein Thema das man jetzt nicht so mir-nix-dir-nix abschalten kann, deswegen wollte ich nach der gescheiterten Saalachsession noch schnell bei meinen geliebten Barben vorbeischaun, bevor das Wetter wie angekündigt komplett zusammenbricht. Zumal mein Friedfisch-Bächlein ja auch deutlich windgeschützter ist. Dachte ich zumindest. Eine weitere gute Stunde später stellte sich auch hier Ernüchterung ein, zwei superfeine Barben-Bisslein (natürlich nicht verwertet) später wurde es nämlich auch hier stetig ungemütlicher und selbst Rollwürfe gestalteten sich immer schwerer zu kontrollieren. Der Nicht-Fangbericht wuchs gedanklich dahin, aber halt, mein Super-Duper-Karpfenspot ist ja mehr oder weniger in einer Schlucht, oder? Und Schlucht bedeutet ja wohl auch noch ein bisschen Zeitpuffer bevor die heftigen Windböen auch hier einziehen. Soweit mal der Plan. Also abermals Spotwechsel. Dort angekommen inspizierte ich zuerst einmal das Wasser und wurde prompt von zwei anzugtragenden Herren mit den üblichen Fragen ("sind da Fische drinnen?", "was ist denn das für eine komische Angelrute?", etc.) angesprochen. Nach einem kurzen Plausch nahm das Gespräch eine unerwartete Wendung und einer der beiden Herren zog eine wunderbar bunte Broschüre aus der Sakkotasche um mit mir über den Sinn des Lebens, das Glück im Allgmeinen sowie meine Erlösung im Speziellen zu sprechen. Zeugen Jehovas also. Am Wasser. Wollen einen Angler bekehren, der mit Wathose und Rute am Wasser steht. Ich weiß nicht, ob Sie im Vorfeld meine spirituellen Überlegungen zur Demut gespürt haben oder nicht, auf alle Fälle sagte ich den beiden Herren, dass ich eigentlich zum Fischen hier bin, und auch dass ich ihre Broschüre nicht möchte, da diese ohnehin ungelesen in die große allmächtige Ablage wandert. Das verstanden die beiden und zogen weiter ihres Weges, während ich mich also nun den Karpfen widmen konnte. Die ersten paar Würfe war alles wie gehabt, ich ließ die gut beschwerte Nymphe in Richtung Fische abtreiben und diese reournierten mein Angebot trotz Fluorocarbon mit einem eleganten Ausweichmanöver. Nach etwa fünfzehn Minuten und einigen Würfen änderte sich allerdings doch noch etwas und eines der Wasserschweinderl pendelte tatsächlich in Richtung der Phaesant Tail Nymphe und ... was für ein Bild ... saugte diese genüsslich ein. Und ab ging die Post! Die Rolle sang, die Rute ächzte, und zugegeberweise war auch die Demut momentan vergessen... 

Der Schuppenkarpfen verlangt dem #7-Gerät einiges ab.
Nach rund zehn Minuten Drill zeigte er aber doch Breitseite.

Als hätten Sie es abermals gespürt standen auch die beiden Bibelforscher plötzlich wieder hinter mir. Dieses mal war aber nichts von der paradiesischen Erlösung oder dergleichen zu hören, dieses Mal, ja dieses Mal waren die beiden ganz Feuer und Flamme für den Fisch im Drill, zückten sofort die Smartphones und fingen an zu fotografieren. Als ich dem Jüngeren meine Kamera in die Hand drückte war der fischereiliche Funke auch abseits des Petrusevangeliums schließlich vollends übergesprungen und wir feierten quasi religionsübergreifend diesen wunderbaren Fisch. Mit dem Anzug auf der rutschigen Böschung? Jepp, Fliegenfischen verbindet eben ;-)

Mein zweiter Fliegenkarpfen - was für ein Bröckerl!
Breites Genick, große Schwanflosse - da steckt Kraft drinnen. 
Natürlich wurde auch dieser Fisch zurückgesetzt.
Und am Ufer blieb ein grinsender Fischer zurück.
Da es bereits tröpfelte und schließlich der Wind auch hier deutlich anzog ließ ich es nach diesem wunderbaren Fang dann auch wirklich gut sein und machte mich auf den Heimweg. Mit einem breiten fetten Grinser im Gesicht. Und ja, ich geb es zu, ich hab mir dann daheim auch gleich nochmal die einen kurzen Youtube-Clip angesehen, der zumindest meiner Meinung nach irgendwie zum Thema passt:


tl, gue

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