Sonntag, 3. Januar 2016

Wilde Bergschönheiten

Wer leichte Gebirgsbachfischerei der Extraklasse in all ihren Facetten schätzt, dem sei der folgende Artikel wärmstens empfohlen. Der Donnersbach in Österreichs Steiermark bietet nämlich genau das und noch viel, viel mehr.
Beeindruckende Landschaft erwartet den geneigten Fliegenfischer. In diesem Stausee soll übrigens "Moby Dick" sein Unwesen treiben.
„Einfach nur Wow.“ Die Fahrt hinein ins Tal war ja schon wirklich beeindruckend, aber das hier: „Wow, wirklich wunderbar.“ So oder so ähnlich geht es wohl den meisten Menschen just in dem Moment, in dem sie zum ersten Mal im Donnersbachtal aus dem Auto aussteigen. In meinem Fall war dies ein kleiner geschotterter Rastplatz neben der Straße, der mir nicht nur eine beeindruckende Bergkulisse samt herrlichen Almwiesendüften, sondern auch den ersten Ausblick auf den wild mäandernden Donnersbach etwas unterhalb der Fahrbahn bescherte. Glasklares Wasser suchte sich hier über steinige Kaskaden den Weg ins Tal. Kleine und große Gumpen und Kehrströmungen wechselten sich mit reißendem Weißwasser ab, und dort hinten konnte ich auch einen längere und ruhig dahinfließende Rieselstrecke erkennen. Und dort, ja, und da auch ... steigende, fast schon buckelnde Fische. „Einfach nur Wow.

Wasser so klar wie der Begrüßungsschnaps.
Zuerst mal einen Begrüßungsschnaps

Etwas weiter ins Tal hinein, knapp 1.000 Meter über dem Meer, in dem beschaulichen 300 Seelen-Örtchen Donnersbachwald liegt mein Ziel. Roland Rüscher, der sympathische Wirt des Gasthof zur Gams erwartet mich bereits. „Neue Gäste bekommen bei uns immer eine Gewässereinführung“, sagt der begeisterte Fischer nach der herzlichen Begrüßung und grinst: „aber vorher gibt es bei uns traditionell einen Willkommensschnaps“. Frisch „gestärkt“ machen wir uns schließlich auf um die hauseigene Strecke kennen zu lernen, der Chef erklärt hier sein Fischwasser sofern er Zeit hat nämlich sehr gerne persönlich. Knapp neun Kilometer ist das Gewässer lang, die Fischerei ist ausschließlich Hausgästen der „Gams“ erlaubt, und auch hier versucht Roland Rüscher nie mehr als vier, fünf Fliegenfischer zugleich am Wasser zu haben. „Die Fische brauchen schließlich auch ihre Ruh“, sagt er. Und hat Recht damit.

 

Pulcher ferus de monte

Nein, ich hatte nie Latein. Aber grob übersetzt (danke liebes Online Latein-Wörterbuch) sollte die vorhergehende, wahrscheinlich recht dürftige Wortkonstruktion ganz einfach nur „wilde  Schönheiten vom Berg“ bedeuten. Weil genau darum geht es hier. Wunderbar gezeichnete Ur-Forellen schwimmen in beachtlichen Mengen im Donnersbach und warten nur darauf die Trockenfliege zu nehmen. Ist es hier wirklich so einfach zum Fisch zu kommen? Natürlich nicht. Dafür bekommt es der geneigte Angler allerdings mit wilden Bachforellen eines Ur-Stammes zu tun, und diese muss/darf/kann/soll man sich auch gefälligst schon ein bisschen erarbeiten, oder? Aber keine Angst, am Donnersbach wird wohl niemand ohne Fangerfolg die fischereilichen Fahnen streichen müssen, dafür ist der Bestand wirklich zu gut. 

Ob stromauf oder stromab, der Donnersbach bietet verschiedenste Angelsituationen auf die sich der Fliegenfischer einstellen muss.

Am Donnersbach ist somit wirklich easy-flyfishing angesagt, und das ist nicht nur dem Begrüßungsschnaps geschuldet. Auch die Ausrüstung kann recht spartanisch angelegt werden. Eine kurze Bachrute der Klasse drei oder vier, eine Hüft-Wathose oder Watstiefel, eine volle Box mit Trockenfliegen und – dank immer wieder auftauchendem üppigen Uferbewuchs – genügend Vorfach zwischen 0,12 und 0,14 mm und schon ist man ausgestattet. Letzteres sollte übrigens immer gut drei Meter lang sein, da es sich in vielen Situationen anbietet lediglich das Vorfach zu wässern. Ansätze von japanischem Tenkarafischen und Czech Nymphing treffen hier also obersteirische Gebirgsbachfischerei samt klassischen Trockenfliegenmustern. Was soll ich sagen: die multinationale Angelkombi funktioniert, und das mehr als nur gut. Große Teile des üppigen Reviers können erfolgreich mit dieser Methode abgefischt werden. Ob im terrassenartigen Bachverlauf im unteren Teil des Tals, oder im schnellen und steileren Bereich im Oberlauf: kombiniert mit vorsichtigem Indianerfischen kommt der Fliegenfischer mit dem langen Vorfach garantiert zum Erfolg. Gierig stürzen sich die Fische auf die Trockenfliege solange die Präsentation und die Drift nicht verräterisch sind. Der Mittelteil des Donnersbachs auf Höhe des Gasthofs zur Gams ist übrigens nochmals ein ganz eigenes Kapitel.

Gebogene Rute -> glücklicher Angler.
Mitten in all der Idylle und den Blumenwiesen findet sich nämlich ein kleiner Stausee. Natürlich passt so eine meterhohe Betonwand samt deutlich tieferem und fast stehendem Wasser jetzt nicht unbedingt komplett zum Gebirgsbach-Charakter. Aber ebenso natürlich, dass es sich der begeisterte Flugangler im Normalfall auch nicht nehmen lässt hier ein, zwei oder mehr Würfe zu wagen. Immerhin sind aufgestaute Bereiche ja auch immer wieder Hotspots und auch für Überraschungen ... aber wem erzähle ich das. Auch hier stellte sich rasch Erfolg auf die Trockenfliege ein, die kampfstarken Fettflossenträger nutzten zudem die neue Fluchtdimension – da der Donnersbach allgemein recht seicht ist fällt die Flucht in die Tiefe im Normalfall im wahrsten Sinn des Wortes flach – in die Tiefe mit Begeisterung. 

 

Nymphen? Können zu Hause bleiben! 

Auf die Fischerei mit Nymphen oder Nassfliegen (Streamer sind ohnehin verboten)  kann am Donnersbach übrigens gerne verzichtet werden, auch wenn die Fische nicht sonderlich viel steigen, nehmen sie die Trockenfliegen im Normalfall gerne und bereitwillig. Besonders spektakulär und erfolgreich ist natürlich der Abendsprung, an dem das Wasser vor Fischaktivität zu kochen scheint. Aber auch tagsüber lassen sich Bachforelle und Saibling immer wieder gerne zu einem Ausflug überreden. Neben den üblichen Verdächtigen wie Red Tag oder diversen Rehhaarmustern (unbedingt auch in größeren Größen bis zu #10) gehören auch Terrestrials zum Beuteschema und deshalb unbedingt in die Fliegenbox. Während man den Bach entlangspaziert kann man übrigens immer wieder Köcherfliegen, Eintagsfliegen und auch Steinfliegen entdecken, was die aktuelle Fliegenwahl natürlich immens erleichtert.

Bachforelle als Tattoo auf dem Arm, nasse Bergbrownie in der Hand.
Wunderbar gefärbte wilde Ur-Bachforellen.
Regenbogenforellen sind sehr selten im Donnersbach.
 Die Größe der Fische ist im Normalfall dem Gewässer entsprechend. Das bedeutet, dass in den meisten Fällen keine Giganten die Fliege nehmen werden, sondern eher wunderschöne Salmoniden zwischen 25 und 35 Zentimetern. Im Normalfall. Aber. Ja, natürlich gibt es ein „Aber“. Und eben dieses „Aber“ entlockt dem geneigten Fliegenfischer dann auch rasch mal ein klingendes „Hurra, die Gams!“, dass es auch den Wirt des gleichnamigen Gasthofs freut. Mit etwas Glück, der richtigen Fliege und dem einen oder anderen guten Guiding-Tipp von Roland Rüscher und seinem Team lassen sich hier nämlich auch deutlich größere Exemplare überlisten. Von einem „Moby Dick“ in dem kleinen Stausee ist genauso die Rede wie von wilden Ur-Bachforellen, die den halben Längenmeter schon lange hinter sich gelassen haben und nun hier ihr räuberisches Unwesen treiben, aber auch durchaus eine Oberflächenmahlzeit nicht ausschlagen.
Leichtes und kurzes Bachtackle ist hier die erste Wahl.
Auch wenn ich selbst während meines Kurzbesuchs keinen dieser Giganten überlisten konnte, hatte ich immerhin eine kurze Begegnung der etwas anderen Art. Kurz vor meiner Abreise fischte ich eine unterspülte Kurve im mittleren, ruhigen Bereich des Donnersbachs. Ich konnte recht rasch eine wunderschöne Bachforelle mit rund 30 Zentimetern haken als sich plötzlich ein riesiger dunkler Schatten aus dem gegenüberliegenden Uferbereich löste und den gehakten Fisch verfolgte. Auch wenn der Anblick spektakulär war, drillte ich die Forelle dennoch recht hart um hier keinen Angriff zu provozieren. Fakt ist jedoch sicherlich, dass der dunkle Schatten den 50er schon lange, vielleicht sogar bereits den 60er hinter sich gelassen hatte. Fakt ist sicherlich auch, dass mich der Donnersbach nicht zum letzten Mal gesehen hat.

Weitere Information:

"Zur Gams"-Chef Roland Rüscher
  • Das Fischwasser des Gasthof „Zur Gams“ umfasst das gesamte Donnersbachwaldtal und hat eine Länge von 8,8 Kilometer und ist auf der ganzen Länge gut zu bewaten.
  •  Der Großteil der vorkommenden Fische sind wilde Bachforellen, vereinzelt werden auch Saiblinge oder Regenbogenforellen gefangen. 
  • Das Angeln ist nur mit der Fliegenrute und widerhakenlosen Trockenfliegen sowie Nymphen erlaubt, Streamer sind verboten.
  • Die Saison ist von Ende Mai bis Ende September.
  • Das Fliegenfischen am Donnersbach ist ausschließlich Hausgästen des Gasthof „Zur Gams“ gestattet. 
  • Neben dem Donnersbach vermittelt Wirt Roland Rüscher auch Karten für sechs weitere Gewässer. Insgesamt stehen den Gästen somit 32 Kilometer Fließgewässer und drei Teiche zur Verfügung. 
  • Auf Wunsch werden gefangenen Fische auch in der Küche des Gasthofs zubereitet. 
  • Kontakt:
    Gasthof „Zur Gams"

    Donnersbachwald 69

    A-8953 Donnersbachwald

    Tel: 0043-(0)3680213

    office@zurgams.at
    www.zurgams.at

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