Mittwoch, 13. Juli 2016

Das Beste am Bach


Der Moment der all die Strapazen vergessen lässt..







Der steirische Gebirgsbach-Guide Wolfgang Heusserer lässt uns exklusiv hinter die die Kulissen blicken und liefert die Top Sieben für das Angeln im Gebirge.









Verliebt in den Bach: Angelguide und Wurflehrer Wolfgang Heusserer.
Aber hallo, der Mann ist verliebt, das ist klar. Da ist das verräterische Funkeln in den Augen und auch ein schelmisches Grinsen kommt ihm immer wieder durch den Vollbart wenn er von „ihr“ spricht. „Das was ich mache erfordert einiges an Know-How“, sagt Wolfgang Heusserer selbstbewusst. Der junge Österreicher weiß wovon er spricht, schließlich hat er schon viele Fliegenfischer, darunter auch renommierte Kollegen seiner Zunft verzweifeln sehen, wenn es um sie geht. Aber wer ist „sie“ nun?
Sie ist recht klein, sie ist schnell und manchmal auch wild. Aber sie ist vor allem eines: voll mit Fisch. „Gebirgsbäche wie die Weiße Sulm in der Südwest-Steiermark üben auf mich einen ganz besonderen Reiz aus“, sagt er und relativiert zugleich jegliche Trophy-Fish-Ambitionen: „Man bewegt sich in einer wunderschönen, unberührten Umgebung. Der Bach fließt vollkommen naturbelassen, abseits von Straßen, Häusern und Menschen. Die fast ausschließlich vorkommenden Bachforellen sind wild gewachsen, bilderbuchmäßig gefärbt und haben überdimensionale Flossen. Kapitale Flossenträger sind sicher die Ausnahme, jedoch wird man mit etwas Übung und Erfahrung mit unzähligen, wunderbaren Fischen belohnt. “







Die besten Fliegen

Auch wenn die Fliegenbox Nymphen enthält, das Motto lautet klar „dry or die“.
Dabei hat Heusserer eigentlich stets nur ein Ziel wenn er bei „ihr“ ist: das Fischen mit der Trockenfliege. „Vorkommende Insekten sind Eintags-, Köcher- und Steinfliegen sowie diverse Zweiflügler, Bachflohkrebse und Landinsekten. Durch die niedrigeren Wasser- und Lufttemperaturen ist das Insektenaufkommen am Gebirgsbach jedoch begrenzter als an Niederungsflüssen. Erst wenn die Temperaturen gegen Sommer merklich ansteigen, sind auch Fluginsekten in großer Zahl vertreten.“ Im Laufe der Jahre haben sich für den Steirer trotzdem einige favorisierten Fliegenmuster als überaus fängig herauskristallisiert. Sie alle weisen dabei die gleichen Eigenschaften auf: sie sind relativ groß (zwischen Hakengröße #10 und #14) und ihre Schwimmfähigkeit sowie ihre Sichtbarkeit im Wasser sind sehr gut.




Die besten Fangzeiten

Handlandung und sanftes Releasen sind für Wolfgang Heusserer Pflicht.
In der Zeit von Juni bis August ist es in der Regel am wärmsten und das Insektenaufkommen am Höhepunkt. Fische nutzen diese Zeit um so viel Nahrung wie möglich aufzunehmen. „Jetzt sollte man unbedingt am Gebirgsbach sein“, ist Wolfgang Heusserer überzeugt, „Mai und September sind `Übergangsmonate´, je nach Wetterlage bringen auch sie schon oder noch eine perfekte Fischerei“. Auch bezüglich der Tageszeit ist es gleichermaßen einfach erklärt: je wärmer und sonniger das Wetter, desto größer wird das Zeitfenster für eine grandiose Fischerei. „Im Sommer sollten man unbedingt zwischen 11 und 16 Uhr am Wasser sein. In der Übergangszeit verkürzt sich die Zeitspanne auf 12 bis 15 Uhr“,  verrät der Angelguide mit einem nervösen Blick auf die Uhr, schließlich wartet „sie“ schon wieder auf ihn. 




Die besten Stellen am Wasser

Enge Wurfschlaufen sind das Rezept zum Erfolg.




Durch das normalerweise sehr starke Gefälle bei Gebirgsbächen bilden sich unzählige Strukturen, die für einen Neuling schwierig zu deuten sind. „Gebirgsbäche sind recht einfach zu lesen“, entgegnet jedoch Heusserer, „die Bachforellen stehen selten direkt in der Strömung. Ich halte stets Ausschau nach verhältnismäßig ruhigen und tiefen Stellen wie Gumpen, Ruhigbereichen hinter großen Steinen (Pocket Water), Bereichen zwischen und neben der Hauptströmung und Uferzonen“. Besonders wichtig sei dabei auch, dass man selbst kleinste Ruhigbereiche nicht außer Acht lässt. „Man fängt nahezu überall“, grinst Heusserer während sich seine #3-Rute erneut krümmt. Meist erfolglos sei hingegen das Präsentieren der Fliegen in sehr starker Strömung wie Weißwasser und Gischt, da die Fliege hier zu schnell abtreibt und die Bisserkennung nahezu unmöglich wird. 




 





 

 

Die beste Art sich zu bewegen

Im seichten Wasser sind die wilden Bachforellen gut zu erkennen und leicht zu verscheuchen.
„F.L.U.“ sagt Wolfgang Heusserer als wir an anderer Stelle abermals die Böschung hinunterklettern und meint damit die drei wichtigsten Regeln für das Bewegen am Bach. „Immer flussaufwärts, möglichst leise und so unscheinbar wie es die eigene Beweglichkeit zulässt.“ Andererseits ergreifen die scheuen Flossenträger sofort die Flucht und der Fischer wird in die unverdiente Pause geschickt.











Der beste Wurf

Der „Pfeil und Bogen“-Wurf gehört zum Pflichtrepertoire am Bach.
„Die Schwierigkeit des Fliegenwerfens am Gebirgsbach liegt in den beschränkten Platzverhältnissen, der hohen Fließgeschwindigkeit und den vielen unterschiedlichen Strömungen“, weiß der 31-jährige FFF-zertifizierte Casting Instructor, „Voraussetzung für einen effektiven Wurf sind enge Schlaufen, nur diese erlauben ein zielgenaues Werfen in beengtem Raum“. Sträucher und Geäst zwingen den Gebirgsbachangler immer wieder zur Variation der Wurftechnik. Oftmals kommt der Rückhandwurf (Backhand Cast) oder der seitliche Wurf (Sidecast) zum Einsatz. Lassen die Platzverhältnisse keinen Rückwurf zu, müssen diverse Wasserwürfe angewendet werden. Der Rollwurf hat die Nachteile, dass die Fliege sehr schnell „absäuft“, der Schnuranker sich um Steine und in Geäst wickelt oder lose Schnur entsteht. Daher ist es absolut erstrebenswert Würfe wie Switch- und Spey-Cast oder den Snake Roll zu beherrschen. Sind selbst diese Würfe platztechnisch nicht mehr möglich, bleibt der Pfeil- und Bogenwurf (Bow and Arrow Cast). Hier wird die Rute durch das Ziehen an der in den Fingern gehaltenen Fliege geladen.  Ist die Fliege sauber und zielgenau präsentiert, kommt noch ein weiterer wichtiger Aspekt zu tragen: das Führen der Fliege. Ziel ist es die Fliege solange wie möglich in einem ruhigen Bereich zu halten oder ohne zu Furchen abtreiben zu lassen (Dead Drift). Dies kann in den meisten Fällen nur dann gewährleistet werden, indem die Rute nach dem Landen der Fliege am Wasser relativ steil gehalten wird. Durch diese Methode, auch High-Sticking genannt, liegt keine oder weniger Flugschnur im Wasser und diese ist somit nicht oder weniger den unterschiedlichen Strömungen ausgesetzt. Für alle diese Beispiele sind längere Ruten von Vorteil: je länger die Rute, desto weniger Flugschnur oder Vorfach liegen am Wasser.



Das beste Gerät

Klein, aber oho: Gebirgsbachforellen zeigen im Drill große Reserven.
Für das Fliegenfischen am Gebirgsbach kommen bei Wolfgang Heusserer meist Fliegenruten in den Schnurklassen #3 und #4 zum Einsatz. „Höhere Schnurklassen geben mir ganz einfach nicht das Gefühl der feinen Fischerei und sind zudem für die zu erwartenden Fischen ganz einfach überdimensioniert“, erklärt der Steirer und ergänzt: „gute Rutenlängen bewegen sich zwischen 6,5 und 8 Fuß. Die Aktion der Fliegenrute sollte parabolisch oder semi-parabolisch sein.“ Der Fliegenrolle kommt dabei keine allzu große Bedeutung zu, sie dient fast ausschließlich als Schnurspeicher und zum Ausbalancieren der Rute. Massive Keulen sind bei der Flugschnur kein Thema, da damit die feine Präsentation der Trockenfliegen schwierig würde. „Für mich sind Triangle Taper Schnüre nach wie vor die erste Wahl. Für sehr kleine Bäche wählt man die Schnur einfach in einer Schnurklasse höher als die Rute um sie aufzuladen.“ Aufgrund der perfekten Kraftübertragung sind konische Fliegenvorfächer unbedingt zu empfehlen, die Länge hängt dabei in erster Linie von der Größe des Baches ab. Heusserer verwendet dabei meist Vorfachlängen von sieben bis achteinhalb Fuß mit einem Spitzendurchmessen von 0,14 Millimeter.








Eine gewisse Fitness ist für diese Art der Fischerei absolut vonnöten.
Da Gebirgsbäche ganzjährig sehr kaltes Wasser führen, ist eine Watausrüstung unumgänglich. Eine Kombination aus hüfthoher, atmungsaktiver Wathose und Watschuhen mit Filz- oder Vibramsohlen – eventuell in Kombination mit Spikes – ist perfekt. Darunter sorgt eine dünne, atmungsaktive Unterbekleidung für einen angenehmen Tragekomfort.

Sagt er. Und grinst wieder durch den Bart. Er will „sie“ schließlich nicht länger warten lassen und nimmt abermals die steile Böschung in Angriff. Er weiß schließlich was dort unten auf ihn wartet.







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Kurse & Guidings an der Weißen Sulm

Fliegenfischen Heusserer (Wolfgang Heusserer)
Eibiswald 501
A-8552 Eibiswald
Tel.: +43-664-2018224

Wohnen können die Fliegenfischer während ihres Aufenthalts dabei im idyllischen und typisch südsteirischen Hotel-Restaurant Kloepferkeller (www.kloepferkeller.at). In der großzügigen Gartenanlage gibt Wolfgang Heusserer auch gerne interessierten Fluganglern noch den einen oder anderen Wurftipp mit auf den Weg bevor es an den Bach geht. 

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